Mein Mac als Guckkasten?
Werner Nekes hat zusammengetragen und sehr differenziert beschrieben wie erfindungsreich hinsichtlich technischer Konstruktion und dekorativer Ausgestaltung die Menschen des 18. bis 20. Jh. Jahrhunderts ihre Guckkästen, Papiertheater, Schattenspielbühnen, Dioramen, Panoramen, Kaleidoskope, Stereobetrachter… und schließlich auch die Abspielmaschinen für »bewegte Bilder« erschufen. Die Hamburger Ausstellung »Ich sehe was, was Du nicht siehst« ließ die ganze Faszination deutlich werden – ein zeitloses Spiel mit den faszinierten Blicken in reale, informierende aber auch in fantastische, wundersame, märchenhafte Welten. In diese Tradition reihe ich mich gern ein und erkläre unter anderem meinen iMac zum Guckkasten. So wird der Bildschirm konkret zu einer leidlich ästhetisch eingerahmten Fläche für die Darstellung von Bildern und optischen Phänomenen aller Art und gleichzeitig interessiert es mich, –das Verfahren habe ich schon beschrieben–, auch die dritte Dimension einzubeziehen und die Virtualität ihrer Darstellung auf dieser Bildfläche wahrzunehmen und auch zu genießen.
Doch mein Guckkasten erlaubt auch einen Blick auf die Erde…
Im Alter von acht, neun Jahren interessierte mich oft der Globus meines Vaters. Damals, 1952/53 wurde bei uns zu Hause oft über den Koreakrieg gesprochen und ich hatte während des Betrachtens der auf mich sehr zerrissen wirkenden Darstellung des Landes Korea auf der »Erdkugel« die daher leicht verständliche Vorstellung, das diese Zerrissenheit von den Bomben herrühren müsse.
Ich erinnerte mich gestern daran, als ich den Versuch unternahm, fünf Stereofotografien in der Weltkarte des Flickr-Albums im Wadi Rum Jordaniens einzufügen, eine ebenfalls sehr zerklüftete, labyrinthische Landschaft. Ich nahm zur Orientierung Google Earth zu Hilfe, »flog« über Jerusalem, Elat und Aqaba ein und es gelang nach vielem Vergleichen geografischer Gegebenheiten und auch unter Berücksichtigung einiger schon eingebundener Fotografien, genau den Ort zu finden, wo Ostern 1998 das Zelt der »Bedus« stand. Ja, ich entdeckte tatsächlich den Felsen wieder, auf dem ich so gern unter diesem unglaublich schönen Sternenhimmel der Wüstennacht mein Lager aufgeschlagen hatte. Nur, dass ich dieses Mal nach unten sah – durch meinen Guckkasten hindurch…
Doch wieder fühlte ich mich mit dieser Erde verbunden, geerdet eben.
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3D-Anaglyphe »Spuren im Wadi Rum«
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3D-Anaglyphe »Das Profil der Wüste«
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3D-Anaglyphe »Struktur im Wadi Rum«
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3D-Anaglyphe »Erosion des Sandsteins«
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