Den Klang sehen, das Bild hören …

vom Funken zum Pixel

Es ist zu vermuten, dass eine wunderbare neue Kunstausstellung im BerlinerMartin Gropius Bau leicht von ihrer Ankündigung her missverstanden werden kann. Diese Ausstellung zeigt keine Computer-Kunst, und hat eigentlich nichts mit den typischen und häufig schwer wahrnehmbaren Videoinstallationen zu tun. Ganz im Gegenteil, die Objekte und Installationen füllen nahezu die Räume, überraschen in ihren Funktionen und Wirkungen und sie begeistern, nicht zuletzt auch im Hinblick auf ihre Originalität und ihrer Funktion unsere Sinne echt herauszufordern. Sie entspricht natürlich total dem Thema meines Blogs, doch immer wieder während eines Rundganges zusammen mit einem Freund, sagten wir uns. Hier könnte man sehr »bildreich«, »plastisch« »sichtbar« und sogar »hörbar« einem lieben Menschen erklären, was es eigentlich auf sich hat, mit dem Begriff »Kunst«. Also, unbedingt hingehen!

Geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 14. Januar, Mi bis Mo von 10 bis 20 Uhr, Di geschlossen. Der Flyer beschreibt die Ausstellung wie folgt:

Die Ausstellung »Vom Funken zum Pixel« zeigt im 1. Obergeschoss und im Lichthof des Martin-Gropius-Bau, internationale Positionen der zeitgenössischen Kunst, die mit digitalen und interaktiven elektronischen Medien in großem Rahmen arbeiten. Der Kurator Richard Castelli (Paris) hat ein Konzept entwickelt, das ausgehend vom Verhältnis des Menschen zur Energie vier immaterielle Zustände – Feuer, Elektrizität, Licht und Pixel – als thematischen Ausgangspunkt wählt.

Das Pixel ist die kleinste Einheit eines elektronischen Bildes und weist auf eine Form von Energie, die keine fossilen Eigenschaften mehr hat und zudem Träger von Informationen ist.

Der Ausstellungsrundgang folgt keiner strengen Chronologie. Er ermöglicht dem Besucher vielfältige und aufregende Entdeckungen. Die ausgewählten Installationen und Projektionen verbinden unterschiedlichste künstlerische Einflüsse. Sie beziehen Ausdrucksweisen ein, die den dramatischen Künsten wie Theater, Performance, Choreographie und Kinematographie nahe sind. Zugleich werden frühe, in Vergessenheit geratene optische Verfahren wie das Zoetrop neu interpretiert und weiterentwickelt.

Den künstlerischen Prolog bildet das Objekt CancMe 7V|1975) von Nam June Paik, dem Pionier der Medienkunst. Daran anschließend präsentiert »Vom Funken zum Pixel« Arbeiten von Jeffrey Shaw und Sarah Kenderdine (Australien), Dumb Type, Shiro Takatani und Saburo Teshigawara (Japan), Gregory Barsamian (USA), Marie Maquaire, Thomas Mcintosh (Kanada), Romy Achituv (Israel), Jean Michel Bruyere, Du Zhenjun, Pierrick Sorin (Frankreich), Christian Partos (Schweden), David Moises, Erwin Redl (Österreich) und Ulf Langheinrich, KAI, Brad Hwang, Joachim Sauter und Bernd Lüsebrink, Art + Com, (Deutschland).

Die Aufsehen erregenden Installationen, die meisten davon zum ersten Mal in Deutschland zu sehen, verbinden Erlebnisse in der Wahrnehmung von Raum und Zeit mit einer Neuinterpretation der Rolle und den partizipatorischen Möglichkeiten des Betrachters.

So kann der Besucher beispielsweise in Jean Michel Bruyeres legendärem Filmwerk S; Poteris Narrare, Licet für Jeffrey Shaws EVE Interactive Cinema in einem interaktiv erfahrbaren 360° Projektionsraum entscheiden, welche Bildsequenzen er sehen und welche Perspektiven er dabei einnehmen will. In der begehbaren Medieninstallation Voyages der japanischen Künstler- und Performancegruppe Dumb Type kann er seine Handflächen dazu benutzen, selbst mobiler Bildträger zu werden.

Von Licht und Bewegung bestimmt sind die Arbeiten von Christian Partos und zwei Hauptwerke von Gregory Barsamian, Scream und No Never Aione, der mit dem Zoetrop Effekt eine Vorform des Kinos wiedererweckt.

Mit ihrem seit 1995 entwickelten Konzept Invisibies Shapesof Things Past modellieren Sauter / Lüsebrink , Art + Com digitale Architekturskulpturen, auch der Martin-Gropius-Bau wird als virtuelles Objekt generiert. Im Lichthof des Martin-Gropius-Bau werden neben Bruyeres Werk die Arbeiten von Erwin Redl und Ulf Langheinrich zu erleben sein, die den beeindruckenden Innenraum verwandeln, ja gleichsam entmaterialisieren. Redl zeigt in FLOW Berlin eine schwebende blaue LED-Welle als virtuelle Decke des Lichthofs und Langheinrich lässt mit Hemisphere die Besucher in ein immersives Environment eintauchen, das sich ungeachtet der verführerischen Apparatur der Vorstellung eines geladenen Nichts nähert.

Eine Grenzerfahrung anderer Art ermöglicht die Installation Ondulation von Thomas Mcintosh. Sie beschäftigt sich mit der Simultanität von Klang- und Lichtwellen, so dass der Eindruck entsteht, den Klang zu sehen und das Bild zu hören.

Die technischen Entwicklungen auf diesem Gebiet haben ein rasantes Tempo. Die hohen medientechnologischen Anforderungen führten zu internationalen Kooperationen. Insgesamt werden 25 Arbeiten zu sehen sein, 20 davon sind Premieren in Deutschland. Die Arbeiten von Erwin Redl: Flow Berlin 2007, Brad Hwang: Time May Change Me, I Can’t Change Time sowie Calvlg(C0312 von Jean Michel Bruyere werden als Welturaufführungen im Martin-Gropius-Bau gezeigt.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildeter Katalog im Nicolai-Verlag (Berlin) mit ausführlichen Texten zu den Künstlern und Werken.


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