Wie Bilder auch entstehen können…

Das Zitat von Leonardo da Vinci aus seinem Traktat über die Malerei erscheint je nach Übersetzung und Zusammenhang in leicht variierenden Versionen. Die folgende fand ich im Internet auf der Seite von Georg Peez in seiner Schrift »Zufall – Collage – Neubeschreibung« – Zu offenen Konzepten in Kunst und Literatur und deren pädagogischer Bedeutung:

»Ich sah schon in Wolken und auf Mauern allgemeine Flecken, die mich zu schönen Erfindungen verschiedener Dinge anregten.« » … wenn du in allerlei Gemäuer hineinschaust, das mit vielfachen Flecken beschmutzt ist, oder in Gestein von verschiedener Mischung – hast du da irgendwelche Szenerien zu erfinden, so wirst du dort Ähnlichkeiten mit diversen Landschaften finden, die mit Bergen geschmückt sind, Flüsse, Felsen, Bäume – Ebenen, große Täler und Hügel in wechselvoller Art.«
(nach Holeczek, B.: Zufall als Glücksfall. In: Holeczek, B./Mengden, L. v. (Hg.): Zufall als Prinzip, Ludwigshafen/Heidelberg 1992)

… ein erodiertes Stück Zinkblech (gescannt)
vom Dach eines verfallenen Hauses in Schottland, Isle of Skye

Kennst du die Angst vor dem leeren weißen Blatt Papier, das Zögern vor dem ersten  Strich, dem ersten Farbtupfer …? Wie wäre es dann zum Beispiel mit diesem Anfang?

»Gebirgsbach im Winter« – – – Was es hier zu entdecken gibt? Nun, stelle das Bild einmal auf den Kopf!

Was siehst Du jetzt? …

Vielleicht beginnst Du auch einfach so …

Zufällig entstandene Strukturen oder auch „das Unvorhergesehene“ helfen über das anfängliche Zögern hinweg und sie fordern neue Bildideen, auch Bildinhalte geradezu heraus. Etwas Einmaliges, nicht Wiederholbares, nicht Nachahmbares entsteht.

»bisher ohne Titel?«

Ein gewähltes Kreisformat fördert zum Beispiel auch die größte Variabilität der Ausdeutung …

Ein rechteckiger Rahmen legt dagegen »Oben« und »Unten« eindeutig fest, fördert aber die Konzentration auf den „Blickpunkt“, auf die Blickführung auf die Wahrnehmung des Wichtigen, des Besonderen oder des individuell als schön Empfundenen …

Möglich ist auch die totale Zufallsvariation, gewissermaßen ein ausgewürfeltes Bild, und dann die „geregelte“ Ausdeutung… Ein Rahmen umgrenzt schließlich das „neue“ Bild.

Möglich ist letztendlich die Ausdeutung als das „Sichtbarmachen“ der bisher in den zufällig entstandenen Strukturen „versteckten“ Dinge, Lebewesen, phantastischen Konfigurationen …
Als Mittel kann die Konturierung mittels Feder und Tusche bzw. durch den Fineliner angenommen werden. Christoph, in meiner 6. Klasse, meinte z. B. zu seinem „Zufallsbild“: »Ich sehe darauf ein springendes Tier, das ziemlich lange Hörner hat und einen kleinen und kurzen Schwanz. Ich würde meinen, es sei ein Steinzeit-Tier…«

Eine wunderbare Ausdeutung einer zufälligen Monotypie-Struktur, Schülerarbeit, 10. Jahrgang,
später noch mit dem Photoshop-Filter »Relief« überarbeitet …

➢ »Aleatorik pur – ein Bild erwürfeln«

➢ »über das Erfinden von Bildern«

➢ »die Nähe der Phantasie«

➢ »Der Ölabklatsch

➢ betrifft BK


About this entry