Albrecht Dürer, Pietro Longhi, Jean-Baptiste Oudry und »Clara«, das Rhinozeros

abstand-20-pixeldurers-rhinozeros»Rhinocerus«, 1515 von Albrecht Dürer, Holzschnitt, hier invertiert,
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Dürers Rhinocerus ist eines der bekanntesten grafischen Werke und befindet sich in nahezu jeder Mediensammlung der Kunsterzieher. Die Grafik wird im Kunstunterricht sehr gern im Zusammenhang mit unterschiedlichen zeichnerischen Techniken als Vorlage für das praktische Studium grafischer Strukturen bzw. Ausdrucksmittel eingesetzt.  Zudem fällt Dir vielleicht ebenfalls auf, dass die einzelnen »Körper-Bau-Teile« des Dürer’schen Tieres sich leicht trennen bzw. herauslösen lassen. Es bedarf nur einer Silhouettenschere. In genügender Anzahl vervielfältigt, lassen sich in der Folge aus Beinen, Brust- und Rückenpanzerplatten, Kopf und Horn … phantastische Variationen des Tieres montieren und – sich an den erkannten Strukturen orientierend – mit Feder und Zeichentusche bzw. Feinliner zeichnerisch vervollkommnen. Dies wurde in der fachdidaktischen Literatur auch schon häufig gezeigt …

rhinosammlungmeine persönliche Rhino-Sammlung aus der Grundschule – 5. / 6. Schuljahr

rhinozeros-inverseines der gezeichneten Rhino’s, 6. Schuljahr, hier invertiert

Mir persönlich gefällt die Idee eines »Bildzitates« noch besser. –
Denn – »Clara« war eine Sensation. Fast zwei Jahrzehnte lang, von 1741 bis 1758, zog Kapitän Van de Meer, ein geschäftstüchtiger Niederländer, mit der drei Tonnen schweren Nashorndame durch ganz Europa, von Marktplatz zu Marktplatz, von London über Paris und Berlin nach Warschau, von Kopenhagen bis Neapel und – Venedig.  Pietro Longhi malte 1751 eine Szene, in der Clara mitten im Karnevalstreiben von Maskierten bestaunt wird.

pietro-longhi-1751-rhinoPietro Longhi »Die Ausstellung des Rhinozeros, 1751«

»Man hielt Clara für ein Fabelwesen aus dem alten Testament. Oder hatte Dürers Holzschnitt von 1515 im Kopf, der nach Angaben aus zweiter Hand entstanden war und eine gepanzerte Kampfmaschine zeigt, mit einem anatomisch falschen Horn auf dem Rücken. Clara hingegen war zahm, mochte Orangen, den Duft von Tabak und leckte hingebungsvoll das Gesicht ihres Besitzers ab. Ein Tier mit „menschlichen“ Schwächen. Der „Knut“-Effekt.«

(Michael Zajonz in »Ist sie nicht süß« im »Tagesspiegel« vom 25. 4. 08, Seite 25)

Als ich das Bild Longhis in The National Gallery in London entdeckte (es ist nicht ganz einfach zu finden, da es relativ klein ist), kam ich gleich auf die Idee des Bildzitates. Unter dem Arbeitstitel »Ein fremdes Tier wird ausgestellt« sollten eine Analyse der kompositorischen Mittel Longhis und das Studium der Dürer’schen Strukturen in die bildnerische Darstellung einer neuen, bisher unbekannten »Clara« einfließen. Als Beispiel siehst Du hier, was Aufgabenverständnis, Idee, Detailreichtum und Sorgfalt der Ausführung angeht, die hervorragende Arbeit einer Schülerin des 10. Jahrgangs.

hommage-an-durer-und-longhiErinnerung an Dürer und Longhi, »Ausstellung eines unbekannten Tieres«

Im Internet lassen sich zudem zahlreiche Beispiele weiterer Rhinozeros-Darstellungen finden
und das Staatliche Museum Schwerin stellte erst kürzlich Bilder von Jean-Baptiste Oudry aus, phantastische Tierbilder, darunter eine in Versailles vor dem lebenden Original gemalte »Clara« – in Lebensgröße.

Painting by Jean-Baptiste Oudry»Clara«, 1749 von Jean-Baptiste Oudry, 1686-1755
Staatliches Museum Schwerin

1515-ggpenni-rhinoRhinocerus, 1515  von G.G.Penni, hier invertiert,
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➢ Glynes Ridley »Claras Grand Tour«, Konkret Literatur Verlag, Hamburg

➢ Dali, Cage und Rhinos bei »Iconic Photos«

➢ Staatliches Museum Schwerin

➢ The National Gallery, London

➢ Rhinoceroses in art

➢ betrifft BK

… und allen Freunden der Stereoskopie möchte ich folgendes Bild nicht vorenthalten,

eine wunderbare fotografische Aufnahme mit der Fujifilm Finepix REAL 3D W1

von JoeLosFeliz auf Flickr-Photosharing

abstand-20-pixel

Rhino diorama at the Natural History Museum in Los Angeles

3D glasses – red-cyan – required

➢ the Natural History Museum in Los Angeles


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