Richard Avedon Retrospektive in Berlin

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1946 – 2004

Ja, es ist auch meine Zeit …
Erinnerungen …

Richard Avedon – Fotografien 1946–2004 – die erste Retrospektive des amerikanischen Fotografen in Deutschland – noch bis zum bis 19. Januar 2009 im Martin-Gropius-Bau, Berlin

Eine Ausstellung des Louisiana Museum of Modern Art, Dänemark in Kooperation mit der Richard Avedon Foundation.

Einerseits erinnern Richard Avedons Porträts von Schauspielern, Musikern, Politikern, Künstlern auch mich wieder an die Nachkriegsära, bzw. prägten in den sechziger Jahren auch meine ganz individuellen Vorstellungen von Amerika, so z.B. das Bild Charlie Chaplins beim Verlassen der USA, als er als Abschiedsgeste für die USA der McCarthy-Ära (1952) die Hände zu Teufelshörnern geformt an die Stirn legt. Das Bild Buster Keatons (1952), Anna Magnanis (1953), Katharine Hepburns ausdrucksstarkes Portrait (1955), Louis Armstrong mit wunderbar glitzernden, im wahrsten Sinne strahlenden Augen (1955) – fotografische Meisterleistungen! Oder das Portrait Marilyn Monroes – wie jung sie doch war, 1957 schon eine »Ikone«, doch so früh gestorben. Daran muss ich angesichts ihres Bildes unwillkürlich denken,  jetzt im Jahr 2008, da ich nun so viel älter bin.  Damals, 1962, als wir im August während unserer Sommerferien in Schweden von ihrem Tod erfuhren, waren wir gerade einmal 17 und konnten die Tragik eines so frühen Todes kaum verstehen …  Ja, hier auch ein richtig freundlich wirkendes Portrait von Janis Joplin, 1969 fotografiert…

– Ob Twiggy oder Veruschka, Bob Dylan oder der hier ganz jung erscheinende Paul McCartney, Francis Bacon oder Samuel Beckett, Truman Capote, John Ford, Henry Kissinger, Dwight D. Eisenhower, Edward Kennedy und schließlich auch Björk – Avedons Aufnahmen gehören auch in meinen persönlichen Vorstellungen zu einer Porträtgalerie des 20. Jahrhunderts. Kurze, gut lesbar gestaltete Texte unterstützen so manche Erinnerung und wie ausgesprochen gut die Bilder der vier Beatles im Martin Gropius Bau gehängt sind! …

Andererseits entsprachen – und entsprechen immer noch – Avedons Porträts von Bergleuten, Landarbeitern, Migranten, kleinen Angestellten und Arbeitslosen nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal der Hochglanz-Zeitschriften. Sie lassen mich eher über Arbeits- und Lebensbedingungen in Amerika nachdenken. Es sind zudem wahre Gesichts-und Körperlandschaften, die sich da auftun, – so u.a. in seiner berühmten Porträtserie „In the American West“, Fotos aus 17 Staaten des amerikanischen Westens aus den Jahren 1979-84, – das Bild eines Landstreichers oder das eines Imkers. Sie zeigen hier zudem beispielhaft auch ein interessantes Stilmittel Avedons auf: Die Portraits führen hinauf bis nahe an die obere Bildkante, die Figuren wollen offensichtlich hinaus aus dem Rahmen und Dir entgegen treten. Häufig werden auch zwei, drei Fotografien zu einem Doppel/Gruppenbild nebeneinander montiert, manchmal nur als minimaler Wechsel der Perspektive, des Bildausschnitts oder in der Körperhaltung, manchmal als ein harter, irritierender Schnitt – oft scheint dieses Mittel noch eine zweite nachdenklichere Betrachtung des Bildes herauszufordern, so als würde eine weitere Geschichte erzählt, oder als würde sich hinter dem Bild noch ein ganz anderes verbergen …

»Eine Fotografie zeigt nie die Wahrheit.«, Richard Avedon, zitiert in – DER SPIEGEL, 40/2005

Zwei Zeitungskommentare, hier aus dem Begleittext zur Ausstellung auf der Homepage des Martin-Gropius-Baus zitiert, empfinde ich nach meinem Besuch und dem Betrachten der Bilder als besonders zutreffend geschrieben:

„Weit über 200 Meisterwerke wirken schon für sich schier überwältigend – alles nur in Schwarzweiß, und man sieht darin die Farben der Welt. Eine stärkere Foto-Ausstellung hat es seit Jahrzehnten nirgends gegeben.“

Der Tagesspiegel, Berlin, 18.10.2008 | Peter von Becker: „Die Seele Amerikas. Meister aller Klassen: Richard Avedons grandiose Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau“

„In der großen [sic.] Avedon-Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau kann man sehen, wie sehr die Menschenbilder aus dem amerikanischen Westen alle anderen Schaffensphasen des Fotografen überstrahlen – auch die zu Silvester 1990 entstandene Fotoserie vom Brandenburger Tor, die vor allem von Avedons Abscheu vor Massen, Unordnung und Unübersichtlichkeit erzählt. […] Die Großbildkamera, die er seit den fünfziger Jahren benutzte, ermöglichte feinkörnige Abzüge in Lebensgröße, so dass man den Porträtierten auf Augenhöhe gegenübersteht. Und sie schauen tatsächlich zurück. […]
‚All die Gesichter sind nur ein Mensch.‘ […] Am Ende ist es die Bilanz seines Lebens.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2008 | Andreas Kilb: „Der Mann mit dem Ewigkeitsblick“

Und wenn Du nun die Ausstellung besucht hast, – aber wirklich erst danach,
dann kann die sehr übersichtlich gestaltete Homepage der Richard Avedon Foundation noch Deiner persönlichen Erinnerung dienen …

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