»eine malerische Expedition ins Eis«

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Expedition zur Schatzhöhle

»Man kann nicht so richtig sehen…
man weiß nicht so recht, wie es dort weitergeht…
man weiß nicht, was gleich passieren wird…
… es ist so spannend.«

1. Tag:

Wir haben von Angst gesprochen und festgestellt, dass dieses Gefühl häufig mit Erlebnissen von Dunkelheit und Einsamkeit verknüpft ist und auch mit einer großen Ungewissheit –

Wir schauen uns eine große Reproduktion eines Bildes von Carl Vinnen an: »Mondnacht 1900«, eine Moorlandschaft mit Birken (bei Osterndorf/Beverstedt?), im Vordergrund etwas undeutlich ein Gewässer, große Felssteine, der Mond scheint hinter Wolken hervor. Dazu läuft eine CD – nur Naturgeräusche, völlig unspektakulär; Vogelstimmen, fließendes Wasser…

Die Schüler schreiben dazu:

»Nachts … an einem einsamen Fluss. Der Mond ist das einzige Licht in dieser Gegend. Man hört unheimliche Geräusche, das Rauschen des Flusses oder das Rufen von Eulen ganz in der Nähe. Die Bäume werden vom Wind hin und her geweht.«

»Die Nacht brach über das kleine Tal herein und der große goldene Vollmond leuchtete, als wäre er eine zweite Sonne. Plötzlich raschelte es leise in den Zweigen einer Birke. Dann schoben sich zwei grüne Blätter zur Seite. Jetzt flatterte ein kleiner Kauz davon und gab dabei so seltsame Geräusche von sich, dass es schien, als würden diese Laute nicht von dem Vogel selbst stammen. Dann folgte Stille.«

»In einem Land ohne Zivilisation, keine Häuser, keine Autos, kein Mensch außer mir, verhextes Land.«

So nähern wir uns gefühlsmäßig den Inhalten unserer spannenden Bilder an und nach einem Kennenlernen und Ausprobieren der Temperafarbe beginnen wir mit den Entwürfen der Bilder…

oder…

Wir sehen uns mittels Dia-Projektor eine Gletscherhöhle an, ein Gletschertor (Nigardsbreen, ein Seitenarm des Jostedalsbreen, Norwegen), leicht von der Seite fotografiert und daher erscheint eine Seite als sehr scharfkantig und weiß im Sonnenlicht, das Eis tropft, – alles zusammen im scharfen Kontrast zum dunklen Inneren der Höhle.–

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Auf der anderen Seite fällt ein weicher Verlauf vom Weiß zum ganz dunklen Blau, – vom hellen Äußeren zum dunklen Inneren –  ins Auge. Der Blick des Betrachters wird geradezu in die Höhle hineingezogen. –

Ein elementarer Trick der Darstellung einer räumlichen Wirkung …

Doch wie groß ist nun diese Höhle? Das Foto liefert uns keinen Anhaltspunkt, keine Vergleichsmöglichkeiten. Die Schätzungen der Schüler bewegen sich zwischen 50 cm und  4 Meter. Sie sind sehr erstaunt darüber, dass die Höhe ca. 10 m beträgt. Wir vereinbaren, dass in unserem »Höhlenbild« unbedingt ein Größenverhältnis sichtbar werden muss, – inhaltlich vielleicht also im Zusammenhang mit einer »Expedition der Höhlenforscher« oder auch nur durch das »Erscheinen« einer Pinguin- oder Eisbärengruppe …

In diesem Zusammenhang fand ich glücklicherweise später auf dem Trödelmarkt u.a. auch eine alte stereoskopische Aufnahme des Motivs.

2. Tag:

In der Galerie der Romantik im Schloss Charlottenburg (jetzt in der Alten Nationalgalerie, Berlin) lernen die Schüler vor den Bildern Carl Blechens (z.B. »Gebirgsschlucht im Winter«) und Caspar David Friedrichs (z.B. »Wrack im Mondschein«, »Meeresküste bei Mondschein« »Abtei im Eichwald«…) viele malerische und kompositorische »Tricks« kennen:

Wir erkunden Gestaltungsmöglichkeiten und bildhafte bzw. inhaltliche Wirkungen von Vordergrund, Horizont und Himmel in einem Landschaftsbild. Wir erkennen Blickpunkte, Kontraste und eine gewisse Führung unserer Augen während der Betrachtung eines Bildes und wir stellen Fragen:
Wie betont man Nähe bzw. Ferne?
Ist die dargestellte Szene in sich logisch bezüglich Licht und Schatten, der Windrichtung … ? Wie ist das gemacht?..

3. und 4. Tag:

Entsprechend den Beobachtungen und Erkenntnissen im Museum (und anhand der nun mitgebrachten Skizzen und Notizen der Schüler) werden die Bildentwürfe vervollständigt und es wird gemalt … gemischt … übermalt … verwischt … gemalt … getupft … gestrichelt … gemalt und betrachtet:
Bringt die Anwendung unserer bildnerischen Tricks die erhoffte Wirkung hervor?

Und so entstehen:
Eine Schatzinsel, ein Bergwerksstollen, Tom Sawyers Friedhofsszene, ein Spukschloss, das Schiffswrack im Mondschein, ein Eisberg und die Höhle des Eisbären, Wasserfälle … und ein Schneesturm weht schließlich auch durch ein Bild …
Es sind auch noch nicht alle Geschichten zu Ende geschrieben …

Die Bilder einer »Expedition ins Eis« findest Du hier. Weitere »spannende Bilder« an anderer Stelle (siehe die Links unten) Alle Bilder stammen von 11 bis 12 jährigen Schülern und sind mit Ei-Tempera-Emulsion und Pigmenten in Pulverform auf mit extra starkem Packpapier bespannten Brettern gemalt, ca. 40 x 60 cm groß.

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ein Nachtrag:
Zuweilen hat man einfach ein Sammlerglück.
Auf dem Flohmarkt fand ich eine antike Stereokarte genau dieses Gletschertores des Jostedalbraee von 1894. Damit hätte ich für meine Schüler eine konkrete Anschauungsmöglichkeit bezüglich der Größenverhältnisse und dazu noch in einem interessanten historischen Bezug zur Stereographie – Super!!!

➢ malerische Projekte – Die Farbpalette

➢ malerische Projekte – die Tricks der Maler

➢ Wind – bildnerische Spuren für ein Tafelbild

➢ spannende Bilder

➢ betrifft BK


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