Meine stereografischen Favoriten 1

The reconstructed Railway Bridge across the Tugela River at Colenso, Natal, S. A.  1901

Dies ist nun wirklich eine meiner ältesten Stereokarten und auch ihr Aussehen wirkt nach heutigen Maßstäben schon recht antik … Gleichzeitig erscheint sie mir als ein Sinnbild der Stereoskopie schlechthin, so als wollte sie gleich mehrere Grundlagen der räumlichen Wahrnehmung und auch ihrer Anwendung in Bildern gleichzeitig vermitteln. Erinnere ich mich doch auch noch an einen Lehrsatz der Grundschulzeit: Parallelen berühren einander scheinbar in der Unendlichkeit oder anders ausgedrückt – »zwei parallele Geraden schneiden sich in ihrem gemeinsamen Fernpunkt«.

Das Eisenbahngleis dient dabei immer noch zu Veranschaulichung. Die parallelen Schienen verlaufen gegen einen im Unendlichen liegenden Fluchtpunkt, wo sie sich scheinbar berühren. Würden wir nun die Bahnstrecke in Richtung dieses Fluchtpunktes abschreiten, verschöbe sich dieser jedoch unablässig in die Ferne, d.h. wie würden ihn nie erreichen …

Eine weitere Version des Schienen-Motivs auf einer »modernen« Stereokarte findest Du hier, bzw. direkt unter der »Railway Bridge«

Zebra from Southern Africa

Gleich noch einmal ein Sinnbild für stereoskopische Grundlagen – die anaglyphe Darstellung des Zebras wirkt hier als ein einziges grafisches Durcheinander von Bildinformationen. Kein Wunder: Liegen doch gewissermaßen zwei leicht verschobene Ansichten der Szene »übereinander« – eine für das rechte Auge, eine für das linke –  und noch dazu farblich getrennt. Erst die Betrachtung des Bildes mit der Rot-Cyan-Brille vermittelt ein klare, räumlich wirkende Sicht auf das Tier.

Children are Children the wide world round – little folks playing Hop Scotch in Cashmere, India

Die durchaus ernst bzw. konzentriert anmutenden Kindergesichter lassen vermuten, dass der Fotograf, der für Underwood & Underwood arbeitete, um eine excellente räumliche Wirkung bemüht, den Kindern genaue Aufstell-Anweisungen gab. Die Kinder wiederum hatten wohl eine derartige, in ihren Augen exotische Fotoausrüstung noch nie gesehen …

Tortilla Making, Salvador, C. A.

antike Stereokarten, um 1900/1910

– diese Karten wurden in der Regel in Serien verkauft, oft in einem Schuber, der einem Buch ähnelte und so gut in ein Bücherregal gestellt werden konnte. Diese Serien glichen m.E. damals in ihrer sozialen bzw. unterhaltenden oder informierenden Form unserem heutigen Fernsehen, z.B. dem »Weltspiegel«
Es werden hier in der Folge noch Beispiele auch von Bildunterschriften zu lesen sein, die nicht immer nur rein sachlich informieren, sondern häufig auch bereits interpretieren, unterhalten bzw. amüsieren, zum Teil auch schlicht vereinfachen …
Häufig weisen die Stereokarten auf ihrer Rückseite auch ausführlichere, beschreibende bzw. informierende Texte auf. Hier z.B. erfahren wir etwas über das Tortilla-Backen, oder? …

»Tortilla is the diminutive of the Spanish Word for a tart. It is prepared from Indian corn, which is first parboiled to make it clean and soft. It is then crushed into a paste with a stone rolling pin on a small stone table. It is then worked with the hands into a pancake, which is then baked on a plate of iron or earthenware, but not enough to brown the tortilla, which is served hot.
The little cake may serve as a type of the tiny republic of Salvador, the smallest in America, but the most densely peopled – 7.225 square miles with a population of 803.534, more than 110 to the square mile. The capital, San Salvador, has been eight times destroyed by earthquakes. The tortilla is only toasted by the careful baker, but the little republic is burned by volcanoes and shaken by earthquakes till it is scarcely fit for human habitation. The soil is extremely fertile, and the people are frugal and industrious.«

(auf der Rückseite der Stereokarte, Keystone View Company)

Ein stereoskopischer Ein-Blick in die Welt um 1900 …  (wird fortgesetzt)

(alle Bildunterschriften und Texte sind den Vorder- bzw. Rückseiten der Stereokarten entnommen)

Private Collection / Private Sammlung

➢ antike Stereokarten & anaglyphe Bilder

➢ … ein Blick auf »Stereokarten«

➢ Ein »Weltspiegel« um 1900

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